LEISHMANIOSE
Die Sandmücke (lat.: Phlebotomus perniciosus, auch
Schmetterlingsmücke oder Engelsmücke genannt) ist ein behaartes,
zweiflügeliges Insekt von nur 2,5 bis 3 mm Länge, strohfarben bis
dunkelbraun in der Farbe. Anders als die meisten Mücken summt sie nicht.
Stichgefahr nur nach Sonnenuntergang
Tagsüber sieht man Sandmücken nicht, denn sie ruhen in Ritzen und Spalten.
Anders als ihr Name vermuten lässt, leben Sandmücken nicht am Strand. Ihr
Lebensraum sind ländliche Gebiete oder bewaldete Flächen, Gärten oder Parks
in der Stadt. Dort suchen sich die weiblichen Tiere nach Sonnenuntergang
Menschen oder Hunde als Lieferanten ihrer Blutmahlzeit. Wenn sie stechen
wollen, hüpfen sie mit ausgebreiteten Flügeln über den Körper ihres Opfers.
Um in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Morgengrauen überhaupt aktiv
sein zu können, brauchen die Tiere eine Temperatur von mindestens 16C.
Starker Wind hindert sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße am Fliegen, bei
Windstille können sie jedoch über 2 km zurücklegen. Zwar trifft man sie auch
in Wohnräumen an, sie stechen jedoch zumeist nur im Freien.
Hunde werden meist an der Schnauze oder an den Ohren gestochen. Bei diesem
Vorgang kann die gefürchtete Leishmaniose (auch Canine Leishmaniose)
übertragen werden.
Entwicklungszyklus dauert etwa 2 Monate
Innerhalb einer Woche nach einer Blutmahlzeit legt ein Mückenweibchen etwa
100 Eier in feuchten, organisch angereicherten Boden. Aus diesen Eiern
schlüpfen nach etwa einer Woche die Larven. Diese durchlaufen vier
verschiedene Stadien und bilden dann die Puppe beziehungsweise einen Kokon.
Nach weiteren zehn Tagen schlüpfen die erwachsenen Tiere.
Sandmücken-Saison von Mai bis Oktober
In den Mittelmeerländern beginnt die Sandmücken-Saison im Mai und endet im
September, oder bei mildem Wetter auch erst im Oktober. Die letzte
Sandmückengeneration überwintert im vierten Larvenstadium und bildet so den
Grundstock für die neue Sandmückenbevölkerung im nächsten Frühjahr.
Nur Weibchen saugen Blut
Die Ernährung beider Geschlechter besteht aus pflanzlichen Zuckerstoffen
oder Blattlaus-Honigtau. Die Weibchen allerdings sind auch auf
Blutmahlzeiten angewiesen, die sie etwa eine Woche vor der Eiablage zu sich
nehmen.
Diagnose
Die Leishmaniose kann durch einen relativ einfachen Bluttest, der
über jede Tierarztpraxis durchgeführt werden kann, festgestellt werden. Es
wird getestet, ob Antikörper vorhanden sind.
Von Schnelltests ist abzuraten
Sollten Sie sich im Urlaub in einem südlichen Land in einen Hund verliebt
haben, den Sie mitnehmen und testen lassen wollen, so ist von den zwar
preiswerten, jedoch nicht sehr sicheren Schnelltests, die oft direkt in
einer Tierarztpraxis durchgeführt werden, abzuraten. Besser ist es, eine
Blutprobe entnehmen- und einschicken zu lassen. Antikörper sind bereits
14-28 Tage nach einer Infektion nachweisbar.
Für eine andere, direkte Nachweismethode werden Lymphknoten- oder
Knochenmarkspunktate entnommen, was wesentlich schmerzhafter und aufwendiger
ist und deren Auswertung nur wenige spezielle Institute durchführen können.
Neue Diagnosemöglichkeiten
Der Nachteil der bisherigen Diagnosemöglichkeiten lag darin, dass man zwar
die Antikörper gegen die Leishmanien nachweisen, dann jedoch nicht zwischen
akut infizierten und bereits wieder gesunden Tieren unterscheiden konnte.
Seit kurzem wird aber auch der direkte Nachweis des Leishmaniose-Erregers
durch Polymerase-Kettenreaktion (PCR) angeboten. Mit diesem Nachweis ist es
möglich, auch nach einer erfolgreichen Therapie und ohne vorhandene Symptome
festzustellen, ob immer noch Leishmanien im Knochenmark oder in den
Lymphknoten vorhanden sind.
Das ist wichtig zu wissen, da die Krankheit zwar mit Medikamenten oft gut
kontrolliert werden kann, ein erneutes Ausbrechen jedoch bei Stress oder im
Zusammenhang mit einer Krankheit möglich ist, wenn noch Erreger im Körper
vorhanden sind.
Erkrankungsbereitschaft und Resistenz
Nicht jeder Hund, der durch einen Mückenstich mit Leishmanien infiziert
wird, muss auch tatsächlich an der Leishmaniose erkranken. Ob die Krankheit
ausbricht hängt davon ab, wie das Immunsystem des Hundes reagiert.
Wie funktioniert die Infektionsabwehr?
Um mit Infektionserregern wie zum Beispiel Leishmanien fertig zu werden,
setzt das Immunsystem des Hundes (wie auch des Menschen) so genannte
"Fresszellen" ein, die der Körper aussendet und die die georteten
Eindringline aufnehmen. Außerdem gibt es innerhalb der Immunabwehr so
genannte T-Zellen (T-Lymphozyten), die ihrerseits die erfolgreichen, also
mit Leishmanien gesättigten Fresszellen an deren Oberflächenstruktur
(Antigen) erkennen und sich mit ihnen verbinden. Die so entstehenden
Antigen-Antikörper-Komplexe können vom Körper eliminiert werden.
Allerdings kann nicht jede Art von T-Zelle Leishmanien in Fresszellen
erkennen und angreifen. Leider kann man nach dem derzeitigen Stand der
Wissenschaft weder beeinflussen noch überhaupt voraussehen, ob der Hund die
passenden Zellen bildet. Es ist nach wie vor unklar, warum manche Hunde
erfolgreiche Abwehrstoffe bilden und andere nicht. Die grundsätzliche
Bildung von Antikörpern läßt sich jedoch mit einem einfachen Bluttest
nachweisen.
Nicht alle infizierten Hunde erkranken tatsächlich
Ein Hund, der Antikörper entwickelt hat, muss nun nicht auch
Krankheitssymptome zeigen. Besonders in den Ländern, in denen die
Leishmaniose heimisch ist, haben Untersuchungen ergeben, dass zwar bis zu
einem Drittel der gesunden Hunde antikörper-positiv ist, jedoch keine
Krankheitssymptome zeigt. Derartige Ergebnisse legen nahe, dass die dort
einheimischen Hunde wahrscheinlich über Generationen auch eine gewisse
Immunität gegen die Leishmaniose entwickelt haben, weil erkrankte Tiere
selten überleben. Auch kann man vermuten, das eine erbliche bedingte
Veranlagung für die Erkrankung vorliegen kann.
Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass im Süden überwiegend Hunde im
Alter zwischen 3 und 5 Jahre erkranken. Dies liegt einerseits an der langen
Inkubationszeit, andererseits an der von manchen Hunden entwickelten
Immunität. Es lässt sich also vermuten, dass die Wahrscheinlichkeit für
einen Hund, an der Leishmaniose zu erkranken, um so geringer wird, je länger
er schon den Erreger im "Ruhezustand" in sich trägt.
Leben mit einem erkrankten Hund
Wenn ein Hund an Leishmaniose erkrankt ist und die Krankheit
überstanden hat, dann kann er theoretisch immer noch Überträger der
Krankheit sein, weil er eventuell noch Erreger im Lymphsystem und damit auch
im Blut hat.
Das heißt aber nicht, dass er keinen Kontakt zu anderen Hunden haben darf.
Allerdings sollte es nicht zu echten Beißereien kommen, weil eine
Übertragung der Leishmaniose durch direkten Kontakt mit Blut möglich ist.
Wichtig ist es auch darauf zu achten, dass der Hund nicht unter körperlichen
und seelischen Stress gerät, weil dadurch sein Immunsystem geschwächt werden
könnte. Es kann nämlich sein, dass durch derartige Stresssituationen die
Krankheit dann erneut ausbricht. Wenn es zu solchen erneuten
Krankheitsschüben kommt, wird allerdings der Besitzer eines bereits
erkrankten Hundes aufmerksam für die Symptome sein, so dass die Behandlung
sofort eingeleitet werden kann.
Um das Immunsystem zusätzlich zu unterstützen, ist eine gute Ernährung
wichtig.
Wenn man diese wenigen Punkte beachtet, spricht nichts dagegen, dass auch
mit einem Hund, der die Leishmaniose überstanden hat, ein fröhliches
Miteinander von Hundehalter und Hundepartner durchaus über Jahre möglich
ist. Keineswegs ist das Einschläfern des Hundes die einzige Lösung, wenn er
an Leishmaniose erkrankt ist.
Therapie
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Hund an Leishmaniose erkrankt sein
könnte, sollten Sie ihn so bald wie möglich Ihrem Tierarzt vorstellen, denn
die Behandlung ist um so erfolgversprechender, je früher sie einsetzt.
In Fällen, wo die Krankheit früh erkannt wird, geben Tierärzte gern und
erfolgreich ein Medikament mit der Bezeichnung Allopurinol, das in der
Humanmedizin als Gichtmittel verwendet wird. Die Behandlung ist relativ
preiswert und erfolgt in Form einer Kur über mehrere Wochen. Erste Erfolge
sollten sich nach 4-5 Wochen einstellen.
Als Nebenwirkung wird angegeben, dass die Hunde manchmal Symptome von
Gichtanfällen zeigen, die aber durch krankheitsbedingten Muskelschwund
verursacht werden auch Übelkeit und Erbrechen können auftreten, weshalb es
wichtig ist, dass Sie für die Behandlung auf jeden Fall Ihren Tierarzt
regelmäßig konsultieren.
In niedrigerer Dosierung ist Allopurinol auch als Langzeitmedikament
einzusetzen.
Höhere Wirksamkeit kann zu stärkeren Nebenwirkungen führen
Mehr Nebenwirkungen haben Antimonpräperate (Glucantime oder Pentostam), die
in besonders schweren Fällen gespritzt werden, wenn eine Behandlung mit
Allopurinol keinen Erfolg hat. Sie schwächen zusätzlich das Immunsystem des
Hundes, und eine begleitende Leberschutzbehandlung ist wichtig.
In jüngerer Zeit wurde auch ein Mittel namens Miltefosin eingesetzt, das
ursprünglich aus der Tumortherapie kommt. Selbst bei der viszeralen, einer
schweren Form der Leishmaniose, war es recht erfolgreich. Mögliche
Nebenwirkungen sind Blutungen aus der Nase oder Scheide, so dass eine
begleitende Medikation mit blutstillenden Mitteln erforderlich sein kann.
Allerdings ist das Mittel derzeit im veterinärmedizinischen Handel noch
nicht erhältlich.
Ein späterer Rückfall kann jedoch in keinem Fall ausgeschlossen werden, so
dass der Vorbeugung und dem Schutz gegen diese Krankheit größte Bedeutung
zukommt.
Ernährung eines erkrankten Hundes
Obwohl es gerade für einen an Leishmaniose erkrankten Hund sehr
wichtig ist, dass er gut ernährt wird, um sein Abwehrsystem zu stärken, kann
die Fütterung durch den schlechten Appetit für den Hundehalter zum Problem
werden.
Dem meist bei den schweren Durchfällen auch auftretenden großen Durst zu
stillen, ist nicht schwierig. Der Hund sollte immer Wasser zur Verfügung
haben, dem am besten ein Mineralzusatz vom Tierarzt beigegeben wird, um
Verluste durch Durchfall oder Erbrechen auszugleichen.
Wenn die Hunde Appetit haben, dann scheint sich dieser auf eher ungeeignete
Nahrung zu richten, wie zum Beispiel Kuchen oder sonstige Süßigkeiten. Weil
die Hunde aber vor allem bei einem ersten Ausbruch der Krankheit häufig
völlig abmagern, gelten hier die normalen Ernährungsrichtlinien nicht mehr,
und auch exotisches Futter kann besser sein als gar keines. Zusätzlich muss
auf eine gute Versorgung mit der erforderlichen Energie und wichtigen
Vitaminen und Mineralstoffen geachtet werden. Dazu gehören auch Eisen, Kalk
und der gesamte Vitamin-B-Komplex. Dies kann zum Beispiel durch Gabe von
Vitaminpasten, Multivitamin-Tabletten und Nutri-Cal (vom Tierarzt)
geschehen.
Weil die an Leishmaniose erkrankten Hunde meist Hautsymptome zeigen, kann
ein Eigelb im Futter (ruhig zweimal pro Woche) gut für Haut und Fell sein.
Innereien sollten möglichst nicht gegeben werden (auch nicht im
Fertigfutter), weil speziell bei einer Behandlung mit Allopurinol die
gichtartigen Anfälle dadurch verstärkt werden können.
Text entnommen aus:
http://www.hund.meintier.de |